02.06.2020, 09:55
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.06.2020, 10:00 von Fredeswind.)
(30.05.2020, 10:00)Artona schrieb:(29.05.2020, 03:59)deskoenigsadmiral schrieb: Wenn man werden will, wie der liebe Gott, sitzt man auf dem Pisspott......![]()
Das habe ich schon als Kind nicht recht verstanden.....aber ich fand es trotzdem immer lustig....
![]()
Mir fallen da 2 Interpretationsansätze ein:
1) Göttlichkeit zeigt sich eben nicht durch Macht, sondern in der der Bescheidenheit. Gottes Aufgabe ist eben nicht, Sonne und Mond aufgehen zu lassen. Das können sie auch alleine.![]()
Jesus wurde nicht ohne Grund im Stall geboren.
2) Ilsebil wirkt auf mich wie eine Süchtige. Sie nutzt ihre Machtpositionen nicht, um zu regieren und irgendetwas zu bewirken, sie will immer nur mehr Macht um des Machthabens Willen. Was wäre, wenn der Butt den letzten Wunsch auch noch erfüllen würde? (im Märchen geht das ja, sich auf den Thron Gottes setzen) Wäre sie dann zufrieden? Sicher nicht. Aber was würde sich sich dann noch wünschen?
Märchen sind ursprünglich keine Moralerzählungen (dazu gibt es Fabeln), sondern Entwicklungsgeschichten. (Allerdings haben die Sammler und Herausgeber sie später oft mit einer Moral versehen, vor allem Perault). Aber eigentlich geht es um persönliche Entwicklung. Und die Entwicklung geht bei Ilsebil in eine sehr bedenkliche Richtung. Sie verliert sich. Außer ihrem Mann nennt keiner ihren Namen. Sie wird nicht Königin, Kaiserin, Päpstin sondern König, Kaiser, Papst, verliert also ihre weibliche Identität. Eigentlich ist sie nur noch Rolle und nicht Person. Im Film fragt ihr Mann am Ende: "Bist du wieder Ilsebil?"
Außerdem: Der ganze Zugewinn an Macht und Reichtum geht nicht ohne Kollateralschäden ab. Die Veränderungen des Meeres wirken auf mich wie eine riesige Umweltkatastrophe! Sowas kennen wir heute dich alle.Da ist das Märchen hochaktuell.
Nochmal zu 1) In der Paradiesgeschichte wollen Adam und Eva ebenfalls wie Gott werden. Dort wollen sie das Wissen über "Gut" und "Böse", wobei das im Hebräischen keine abstrakten Kategorien sind, sondern soviel bedeutet wie "was dem Leben nützt" bzw. "dem Leben schadet". Und welche Lebensweise dem Leben (als Ganzes/ des Planeten) nützt und welche schadet, ist im Märchen anhand den Veränderungen des Meeres doch sehr schön dargestellt.


Damit hast du schon irgendwie recht.
Interessant ist auch, dass in dem Märchen nie beschrieben wird, ob sich das Meer vielleicht zwischen den Wünschen wieder beruhigt hat, der Fischer kommt immer ans Ufer und das Meer hat sich schon zum Schlimmeren verändert. Nach dem letzten Wunsch wird schließlich alles wieder in den 'Urzustand' versetzt, obwohl über das Meer selbst wieder nichts geschrieben steht, aber es liegt nahe, nachdem 'se sitt all weder in'n Pißputt.' Ob das wohl ohne Kollateralschaden ausgegangen ist?

LG von der Märchenfee Fredeswind

Fredeswind Märchenschatztruhe
Inhalt Fredeswinds Märchenschatztruhe
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
Inhalt Fredeswinds Märchenschatztruhe
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)