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Fredeswinds Märchenschatztruhe
Als sie wieder in dem königlichen Schloss angelangt waren, eilte sie in die Kammer der Braut, legte die prächtigen Kleider und den Schmuck ab, zog ihren grauen Kittel an und behielt nur das Geschmeide um den Hals, das sie von dem Bräutigam empfangen hatte.

   


Als die Nacht herankam und die Braut in das Zimmer des Königssohns sollte geführt werden, so ließ sie den Schleier über ihr Gesicht fallen, damit er den Betrug nicht merken sollte.

   


Sobald alle Leute fortgegangen waren, sprach er zu ihr: „Was hast du doch zu dem Brennesselbusch gesagt, der an dem Wege stand?“ „Zu welchem Brennesselbusch?", fragte sie, „ich spreche mit keinem Brennesselbusch.“

   


„Wenn du es nicht getan hast, so bist du die rechte Braut nicht:“, sagte er. Da half sie sich und sprach:

„Mut heruet na myne Maegt,
de my myn Gedanken draegt.“

(Muss heraus nach meiner Magd,
die mir meine Gedanken tragt)

   
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Ein unglaublich schönes Märchen...

... nach den Jahren im Turm ohne jedes Licht, müsste ihre Haut fahl weiß, fast grau sein. Andererseits war schneeweiße Haut das Schönheitsideal der damaligen Zeit. Es wäre auch spannend, welche Nahrungsmittel sie mit eingemauert haben.. Trockenfleisch? Eingewecktes? Wein?
"Ich bin gar nicht böse - ich bin nur so gesteckt worden"
Palme  hula-girl2  Palme



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Thanks given by: Fredeswind , Yarr!
(27.02.2018, 13:50)Ischade schrieb: Ein unglaublich schönes Märchen...

... nach den Jahren im Turm ohne jedes Licht, müsste ihre Haut fahl weiß, fast grau sein. Andererseits war schneeweiße Haut das Schönheitsideal der damaligen Zeit. Es wäre auch spannend, welche Nahrungsmittel sie mit eingemauert haben.. Trockenfleisch? Eingewecktes? Wein?

Danke: Danke: Oops Oops

Das wäre interessant zu wissen.  Darüber lässt sich das Märchen nicht aus. Wäre ohnehin spannend zu wissen, wie der Turm eingerichtet war.    Weissnicht     [Bild: 006-gruebel.gif]

LG Irmtraud   [Bild: 142_fee.gif]
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Thanks given by:
Sie ging hinaus und fuhr die Jungfrau Maleen an: „Dirne, was hast du zu dem Brennesselbusch gesagt?“ „Ich sagte nichts als :

Brennettelbusch,
Brennettelbusch so klene,
wat steist du hier allene?
ik hef de Tyt geweten,
da hef ik dy ungesaden
ungebraden eten.“

   


Die Braut lief in die Kammer zurück und sagte: „Jetzt weiß ich, was ich zu dem Brennesselbusch gesprochen habe.“, und wiederholte die Worte, die sie eben gehört hatte. „Aber was sagtest du zu der Kirchentreppe, als wir darübergingen?“, fragte der Königssohn. „Zu der Kirchentreppe?“ antwortete sie, „ich spreche mit keiner Kirchentreppe.“ „Dann bist du auch die rechte Braut nicht.“

Sie sagte wiederum:

"Mut heruet na myne Maegt,
de my myn Gedanken draegt."

   


Lief hinaus und fuhr die Jungfrau Maleen an: „Dirne, was hast du zu dem Kirchentreppe gesagt?“ „Ich sagte nichts als:

Karkstegels, brik nich,
bün de rechte Brut nich."

„Das kostet dich dein Leben," rief die Braut.

   


Sie eilte aber in die Kammer und sagte: „Jetzt weiß ich, was ich zu dem Kirchensteg gesprochen,“ und wiederholte die Worte. „Aber was sagtest du zur Kirchentür?“ „Zur Kirchentür?“, antwortete sie, „ich spreche mit keiner Kirchentür.“ „Dann bist du auch die rechte Braut nicht.“

   
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Sie ging hinaus, fuhr die Jungfrau Maleen an: „Dirne, was hast du zu der Kirchentür gesagt?“ „Ich sagte nichts als:

Karkendär, brik nich,
bün de rechte Brut nich."

„Das bricht dir den Hals," rief die Braut und geriet in den größten Zorn.


   


[i]Sie eilte aber zurück in die Kammer und sagte: „Jetzt weiß ich, was ich zu der Kirchentür gesprochen habe.“, und wiederholte die Worte. „Aber wo hast du das Geschmeide, das ich dir in der Kirche gab?“ „Was für ein Geschmeide?“, antwortete sie, „du hast mir kein Geschmeide gegeben.“ „Ich habe es dir selbst um den Hals gelegt und selbst eingehakt: wenn du das nicht weißt, so bist du die rechte Braut nicht.“[/i]

   


[i]Er zog ihr den Schleier vom Gesicht, und als er ihre grundlose Hässlichkeit erblickte, sprang er erschrocken zurück und sprach: „Wie kommst du hierher? Wer bist du?“ „Ich bin deine verlobte Braut, aber weil ich fürchtete, die Leute würden mich verspotten, wenn sie mich draußen erblickten, so habe ich dem Aschenputtel befohlen, meine Kleider anzuziehen und statt meiner zur Kirche zu gehen.“[/i]

   


„Wo ist das Mädchen?“, sagte er, „ich will es sehen, geh und hol es hierher.“ Sie ging hinaus und sagte den Dienern, das Aschenputtel sei eine Betrügerin, sie sollten es in den Hof hinabführen und ihm den Kopf abschlagen. Die Diener packten es und wollten es fortschleppen, aber er schrie so laut um Hilfe, dass der Königssohn seine Stimme vernahm, aus seinem Zimmer herbeieilte und den Befehl gab, das Mädchen augenblicklich loszulassen.

   
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Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Thanks given by: Yarr! , Sunrise , Floranja89 , Meerkoenig
Es wurden Lichter herbeigeholt, und da bemerkte er an ihrem Hals den Goldschmuck, den er ihm vor der Kirchentür gegeben hatte. „Du bist die rechte Braut,“ sagte er, „die mit mir zur Kirche gegangen ist: komm mit mir in meine Kammer.“

   


Als sie beide allein waren, sprach er: „Du hast auf dem Kirchgang die Jungfrau Maleen genannt, die meine verlobte Braut war: wenn ich dächte, es wäre möglich, so müsste ich glauben, sie stände vor mir: du gleichst ihr in allem.“ Sie antwortete: „Ich bin die Jungfrau Maleen, die um dich sieben Jahre in der Finsternis gefangen gesessen, Hunger und Durst gelitten und so lange in Not und Armut gelebt hat: aber heute bescheint mich die Sonne wieder.

   


Ich bin dir in der Kirche angetraut und bin deine rechtmäßige Gemahlin." Da küssten sie einander und waren glücklich für ihr Lebtag. Der falschen Braut ward zur Vergeltung der Kopf abgeschlagen.

   



Der Turn, in welchem die Jungfrau Maleen gesessen hatte, stand noch lange Zeit, und wenn die Kinder vorübergingen, so sangen sie:

„Kling klang kloria,
wer sitt in dissen Toria?
Dar sitt en Königsdochter in,
die kann ik nich to seen krygn.
De Muer, de will nich bräken,
de Steen, de will nich stechen.
Hänschen mit de bunte Jak,
kumm unn folg my achterna.“



(Kling, klang, Gloria!
Wer sitzt in diesem Turme da?
Da sitzt `ne Königstochter drin
Die kann ich nicht zu sehen kriegn
Die Mauer, die will nicht brechen,
Der Stein lässt sich nicht stechen.
Hänschen mit der bunten Jack‘
komm und folg mir hintennach.)


   



ENDE
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Danke für das Märchen. Das kannte ich auch noch nicht.
An manchen Stellen etwas gruselig (7 Jahre eingesperrt,
überall weggejagt, dann die Drohungen der hässlichen Braut usw.)
aber zum Schluss wird ja alles gut. daumen
         



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Thanks given by: Fredeswind
Ich kannte das Märchen und Du hast es wunderschön ungesetzt. Allein das Bild wie Marleen den Prinzen vor dem Kuss anschmachtet. Zauberhaft!
"Ich bin gar nicht böse - ich bin nur so gesteckt worden"
Palme  hula-girl2  Palme



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Thanks given by: Fredeswind
Hallo Irmi,

darf ich etwas Kritik äußern?

Der Charakter der eigentlichen Braut, "ebenso hässlich von Angesicht als bös von Herzen", kommt in Deiner Nacherzählung nicht richtig heraus. Ja, sie schickt eine Stellvertreterin zur Trauung; sie droht der Stellvertreterin auch mit dem Tode, sollte sie diesem Befehl nicht folgen; sie droht erneut mit dem Tode, als sie von den Sprüchen am Kircheneingang hört - reicht das wirklich schon als Rechtfertigung, ihr den Kopf abzuschlagen?

So wie Du das Märchen erzählst, komme ich zu dem Schluß: nein. Also eigentlich ein trauriges Ende, auch wenn sich Maleen und der Prinz am Ende doch noch kriegen. Als wäre sie mit ihrer Häßlichkeit nicht schon genug gestraft...

Ich muß noch dazu sagen, daß ich dieses Märchen bis jetzt nicht gekannt habe.
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Thanks given by: Fredeswind
(28.02.2018, 16:55)JTD schrieb: Hallo Irmi,

darf ich etwas Kritik äußern?

Der Charakter der eigentlichen Braut, "ebenso hässlich von Angesicht als bös von Herzen", kommt in Deiner Nacherzählung nicht richtig heraus. Ja, sie schickt eine Stellvertreterin zur Trauung; sie droht der Stellvertreterin auch mit dem Tode, sollte sie diesem Befehl nicht folgen; sie droht erneut mit dem Tode, als sie von den Sprüchen am Kircheneingang hört - reicht das wirklich schon als Rechtfertigung, ihr den Kopf abzuschlagen?

So wie Du das Märchen erzählst, komme ich zu dem Schluß: nein. Also eigentlich ein trauriges Ende, auch wenn sich Maleen und der Prinz am Ende doch noch kriegen. Als wäre sie mit ihrer Häßlichkeit nicht schon genug gestraft...

Ich muß noch dazu sagen, daß ich dieses Märchen bis jetzt nicht gekannt habe.

Jörg, das Märchen hat Fredeswind ja nur erzählt. Aufgeschrieben haben es einstmals die Gebrüder Grimm und der Ursprung liegt viel weiter in der Vergangenheit. Und die Menschen werden sich sicher etwas dabei gedacht haben. Zudem wir ja auch nichts über die "böse" Vorgeschichte besagter Prinzessin wissen. Außerdem war die Ehe im Mittelalter - aus der das Märchen wahrscheinlich stammt - ein heiliges Sakrament. Marleen ist vor Gott dem Prinzen vermählt worden und damit seine Frau. Die häßliche Prinzessin wollte zum einen Gott betrügen zum anderen offensichtlich Ehebruch begehen, in dem sie nun den der Marleen vermählten Prinzen für sich beanspruchte... Und im Mittelalter wurden Leute für sehr viel weniger hingerichtet!
"Ich bin gar nicht böse - ich bin nur so gesteckt worden"
Palme  hula-girl2  Palme



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Thanks given by: Floranja89 , Fredeswind


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