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Fredeswinds Märchenschatztruhe
Er antwortete: „Ich hätte gerne den schönsten und feinsten Teppich.“ Da rief sie eine junge und sprach:
Jungfer grün und klein,
Hutzelbein,
Hutzelbeins Hündchen,
Hutzel hin und her,
Bring mir die große Schachtel her.“

   


Die junge Itsche holte die Schachtel, und die dicke Itsche machte sie auf und gab dem Dummling einen Teppich heraus, so schön und so fein, wie oben auf der Erde keiner konnte gewebt werden. Da dankte er ihr und stieg wieder hinauf.

   


Die beiden andern hatten aber ihren jüngsten Bruder für so albern gehalten, dass die glaubten, er würde gar nichts finden und aufbringen. „Was sollen wir uns mit Suchen groß Mühe geben“, sprachen sie, nahmen dem ersten besten Schäfersweib, das ihnen begegnete, die groben Tücher vom Leib und trugen sie dem König heim.

   


Zu derselben Zeit kam auch der Dummling zurück und brachte seinen schönen Teppich, und als der König den sah, staunte er und sprach: „Wenn es dem Recht nach gehen soll, so gehört dem jüngsten das Königreich.“

   
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Thanks given by: Der Archivar , Sunrise , Schoko-Queen
Aber die zwei andern ließen dem Vater keine Ruhe und sprachen, unmöglich könnte der Dummling, dem es in allen Dingen an Verstand fehlte, König werden, und baten ihn, er möchte eine neue Bedingung machen.

   


Da sagte der Vater: „Der soll das Reich erben, der mir den schönsten Ring bringt!“, führte die drei Brüder hinaus, und blies drei Federn in die Luft, denen sie nachgehen sollten. Die zwei ältesten zogen wieder nach Osten und Westen, und für den Dummling flog die Feder geradeaus und fiel neben der Erdtüre nieder. 

   


Da stieg er wieder hinab zu der dicken Itsche und sagte ihr, dass er den schönsten Ring brauchte. Sie ließ sich gleich ihre große Schachtel holen, und gab ihm daraus einen Ring, der glänzte von Edelsteinen und war so schön, dass ihn kein Goldschmied auf der Erde hätte machen können. 

   


Die zwei ältesten lachten über den Dummling, der einen goldenen Ring suchen wollte, gaben sich gar keine Mühe, sondern schlugen einem alten Wagenring die Nägel aus und brachten ihn dem König.

   
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Thanks given by: Der Archivar , Sunrise
Als aber der Dummling seinen wertvollen Ring vorzeigte, so sprach der Vater abermals: „Ihm gehört das Reich.“ Die zwei ältesten ließen nicht ab, den König zu quälen, bis er noch eine dritte Bedingung machte und den Ausspruch tat, der sollte das Reich haben, der die schönste Frau heimbrächte.


   
 

Die drei Federn blies er nochmals in die Luft, und sie flogen wie die vorige Male. Da ging der Dummling ohne weiteres hinab zu der dicken Kröte und sprach: „Ich soll die schönste Frau heimbringen.“ 

   

Ei“, antwortete die Kröte, „die schönste Frau! die ist nicht gleich zur Hand, aber du sollst sie doch haben.“  Sie gab ihm eine ausgehöhlte Rübe mit sechs Mäuschen bespannt. Da sprach der Dummling ganz traurig: „Was soll ich damit anfangen?“ Die Itsche antwortete: „Setze nur eine von meinen kleinen Kröten hinein.“

   


Da griff er auf Geratewohl eine aus dem Kreis und setzte sie in die Kutsche, aber kaum saß sie darin, so ward sie zu einem wunderschönen Fräulein, die Rübe zur Kutsche, und die sechs Mäuschen zu Pferden. Da küsste er sie,  jagte mit den Pferden davon und brachte sie zu dem König.

   
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Thanks given by: Der Archivar , Sunrise , Schoko-Queen
Seine Brüder kamen nach, die hatten sich gar keine Mühe gegeben, eine schöne Frau zu suchen, sondern die ersten besten Bauernweiber mitgenommen. Als der König sie erblickte, sprach er: „Dem jüngsten gehört das Reich nach meinem Tod.“ 

   


Aber die zwei ältesten betäubten die Ohren des Königs aufs neue mit ihrem Geschrei: „Wir können es nicht zugeben, dass der Dummling König wird.“, und verlangten, der sollte den Vorzug haben, dessen Frau durch einen Ring springen könnte, der da mitten in dem Saal hing. Sie dachten: „Die Bauernweiber können das wohl, die sind stark genug, aber das zarte Fräulein springt sich tot.“

   


Der alte König gab das auch noch zu. Da sprangen die zwei Bauernweiber, sprangen auch durch den Ring, waren aber so plump, dass sie fielen und ihre groben Arme und Beine entzweibrachen. Darauf sprang das schöne Fräulein, das der Dummling mitgebracht hatte, und sprang so leicht hindurch wie ein Reh, und aller Widerspruch musste aufhören. Also erhielt er die Krone und hat lange in Weisheit geherrscht.

   


ENDE
"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Thanks given by: Artona , Der Archivar , Aquarius , Sunrise , Schoko-Queen
Brüder können ja so grausam sein!
Aber schön das sich dann der angeblich dumme durchgesetzt hat.
Wiedereinmal ein schönes Märchen und auch wieder super gut umgesetzt.
Smile Vielen dank das du uns das gezeigt hast. Smile
Cool
Jetzt auf der Insel der nächste Teil des Inselsturms!
Zwink

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Schöne Umsetzung des Märchens!  daumen
Es macht immer wieder Spaß,  sich deine Märchenbilder anzuschauen. Love
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Ich liebe Märchen!

Manchmal merkt man aber auch, dass sie aus einer anderen Zeit stammen: der schönste Teppich, der schönste Goldring, die schönste Frau. Die Frau als Besitz, sie und ihr Aussehen als Statussymbol.

Na ja, soviel hat sich auch nicht geändert... Kicher 

Und büßen müssen es die armen Bauernmädchen.
*seufz*
Wahrscheinlich wurden sie auch noch bestraft dafür, dass sie so plump waren
und sich die Glieder brachen.

Schöne Kulissen und gut fotografiert, Fredeswind!
(Aber Du merkst schon, mein Lieblingsmärchen ist das nicht. Zwink )

Ich frage mich jetzt, galt die angebliche Klugheit der Prinzen der Tatsache,
dass sie offensichtlich arbeitsscheu und lernunwillig waren?
grübeln ... Kicher
Angel ... Pfeif
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