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Fredeswinds Märchenschatztruhe
De Vogelgrif

Der Vogel Greif

(frei nach den Brüdern Grimm)

S‘ isch einisch e Chönig gsi, wo ner gregiert und wiener gheisse hat, weiß i nimme. De hat kei Sohn gha, nummene einzige Tochter, die isch immer chrank gsi, gewesen, und kei Dokte het se chönne heile.. Do isch dem Chönig profizeit worde, si Tochter werd de an Öpfle gsund esse.

Es war einmal ein König, wo der regiert und wie er geheißen hat, weiß ich nimmer , der hatte keinen Sohn gehabt, nur eine einzige Tochter, die ist immer krank gewesen, und kein Doktor hat sie heilen können. Da ist dem König prophezeit worden, seine Tochter werde sich an Äpfeln gesund essen.


   


Do lot er dur sis ganz Land bchant mache wer siner Tochter Öpfel bringe, daß se se gsund dar chönn esse, de müesse zur Frau ha und Chönig wärde.

Da ließ er durch sein ganzes Land bekannt machen, wer seiner Tochter Äpfel bringe, dass sie sich gesund daran essen könne, der müsse sie zur Frau haben und König werden.

   


Das het au ne Pur verno, de drei Söhn gha het. Do säit er zum elste: „Gang ufs Gade ufe, nimm e Chratte voll vo dene schöne Öpfle mit rothe Bagge und träg se a Hof; villicht cha se d' Chönigstochter gsund dra esse und de darfsche hürothe und wirsch Chönig.

Das hatte auch ein Bauer vernommen, der drei Söhne grhabt hat. Da sagte er zum ältesten: „Geh auf den Speicher hinauf, nimm einen Handkorb voll von den schönen Äpfeln mit roten Backen und trag sie an den Hof; vielleicht kann sich die Königstochter gesund daran essen, und du darfst sie heiraten und wirst König.“

   


De Kärle hets e so gmacht und der Weg under d' Füeß gno. Woner e Zitlang gange gsi isch, begegnet es chlis isigs Manndle. 

Der Kerle hat‘s auch so gemacht und den Weg unter die Füße genommen. Wo er eine Zeitlang gegangen ist, begegnete er einem kleinen eisgrauen Männlein. 

   

 
Fredeswind Märchenschatztruhe

Inhalt Fredeswinds Märchenschatztruhe


"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Das frogt ne was er do e dem Chratte häig. Do seit der Uele, denn so het er gheisse: „Fröschebäi.“ Das Manndle säit druf: „No es sölle si und blibe' und isch witer gange.

Das fragte ihn, was er da im Handkorb trüge. Da sagte Uli, denn so hat er er geheißen: „Froschbeine.“ Das Männlein sagte darauf: „Nun, es solle sein und bleiben.“, und ist weiter gegangen

   


Ändle chunt der Uele fürs Schloß un lot se amelde, er hob Öpfel, die d' Tochter gsund mache, wenn se dervo ässe thue. Das het der Chönig grüsele gfreut und lot der Uele vor se cho, aber, o häie! woner ufdeckt, so heter anstatt Öpfel Fröschebäi e dem Chratte, die no zapled händ. Drob isch der Chönig bös worde, und lot ne zum Hus us jage. Woner häi cho isch, so verzelter dem Ätte wies em gange isch.

Endlich kam Ulrich vors Schloss und ließ sich anmelden: er habe Äpfel, die die Tochter gesund machen , wenn sie davon essen tue. Das hat den König gewaltig gefreut, und er ließ den Uli vor sich kommen. Aber, o weh! Wo er aufdeckte, so hatte er statt Äpfel Froschbeine im Handkorb, die noch gezappelt haben. Darüber ist der König böse geworden und ließ ihn zum Haus rausjagen. Wie er heimgekommen ist, so erzählte er dem Vater, wie‘s ihm gegangen ist. 

   


Do schickt der Ätte der noelst Son, de Säme gheisse het; aber dem isch es ganz glich gange wie im Uele. Es isch em halt au es chlis isigs Manndle begegnet und das het ne gfrogt was er do e dem Chratte häig, der Säme säit: „'Seüborst“, und das isigs Manndle säit: „No es söll si und blibe.“ 

Da schickte der Vater den nächstältesten Sohn, der Samuel geheißen hat; aber dem ist es ganz gleich gegangen wie dem Uli. Es ist ihm halt auch das kleine eisgraue Männchen begegnete und das hat ihn gefragt, was er da im Korbe trügr. Der Samuel sagte: „Sauborsten.“ Und das eisgraue Männlein sagte: „Nun, es soll sein und bleiben.“ 

   


Woner do vor es Chönigsschloß cho isch, säit er, er heb Öpfel, a dene se d' Chönigstochter gsund chönn esse, so hand se ne nid welle ine lo, und händ gsäit es sig scho eine do gsi und heb se füre Nare gha. Der Säme het aber aghalte, er heb gwüß dere Öpfel, se solle ne nume ine lo.

Wo er dann vors Königsschloss gekommen ist und sagte er, er habe Äpfel, an denen sich die Königstochter könne gesund essen , so haben sie ihn nicht wollen einlassen, und haben gesagt , es sei schon einer da gewesen und habe sie für Narren gehalten. Der Samuel hat aber angehalten, er habe gewiss Äpfel, sie sollten ihn nur einlassen.

   


Ändle händ sem glaubt, und füre ne vor der Chönig. Aber woner er si Chratte ufdeckt, so het er halt Seüborst. Das het der Chönig gar schröckele erzürnt, so daß er der Säme us em Hus het lo peütsche. Woner häi cho isch, so het er gsäit wies em gange isch. 

Endlich haben sie ihm geglaubt und führten ihn vor den König. Aber wo er seinen Korb aufdeckte, so hatte er halt Sauborsten. Das hat den König gar schrecklich erzürnt , so dass er den Samuel aus dem Haus hat peitschen lassen. Wo er heimgkommen ist, so hat er gesagt, wie es ihm ergangen ist.

   
Fredeswind Märchenschatztruhe

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"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Do chunt der jüngst Bueb, dem händse nume der dumm Hans gsäit, und frogt der Ätte ob er au mit Öpfel goh dörf. „Jo“, säit do der Ätte: „du wärst der rächt Kerle derzue, wenn die gschite nüt usrichte, was wettest denn du usrichte.“ Der Bueb het aber nit no glo: „E woll, Ätte, i will au goh.“

Da kam der jüngste Bub, zu dem haben sie nur immer der dumme Hans gesagt, und fragte den Vater, ob er auch mit Äpfeln gehen dürfe. „Ja“, sagte da der Vater, „du wärst der rechte Kerl dazu! Wenn die Gescheiten nichts ausrichten, was wirst denn du ausrichten!“ Der Bub hat aber nicht nachgelassen „Ja wohl Vater, ich will auch gehen.“

   


 „Gang mer doch ewäg, du dumme Kerle, du muest warte bis gschiter wirsch.“, säit druf der Ätte und chert em der Rügge. Der Hans aber zupft ne hinde am Chittel: „e woll, Ätte, i will au goh.“ „No minetwäge, so gang, de wirsch woll wieder ome cho' gitt der Ätte zur Antwort eme nidige Ton. 

Geh mir doch ja weg, du dummer Kerl, du musst warten, bis du gescheiter wirst.“, sagte darauf der Vater und kehrte ihm den Rücken. Der Hans aber zupfte ihn hinten am Kittel: „Ja wohl, Vater, ich will auch gehen.“ „Nun, meinetwegen, so geh; du wirst wohl wieder heimkommen.“, gab der Vater zur Antwort in vernichtendem Ton.

   


Der Bueb hat se aber grüsele gfreut und isch ufgumpet. „Jo, thue jetz no wiene Nar, du wirsch vo äim Tag zum andere no dümmer“, säit der Ätte wieder.“ Dat het aber im Hans nüt gmacht und het se e siner Freud nid lo störe. Wils aber gli Nacht gsi isch, so het er dänkt er well warte bis am Morge, er möcht hüt doch nümme na Hof gcho.

Der Bub hat sich aber riesig gefreut und ist aufgesprungen. „Ja, tu jetzt noch wie ein Narr; du wirst von einem Tag zum andern noch dümmer.“, sagte der Vater wieder. Das hat dem Hans aber nichts gemacht und hat sich in seiner Freude nicht stören lassen. Weils aber gleich Nacht gewesen ist, so hat er gedacht er wolle warten bis am Morgen, er möchte heute doch nicht mehr an den Hof gehen.

   


Z' Nacht im Bett het er nid chönne schloffe, und wenn er au ne ihli igschlummert isch, so hets em traumt vo schöne Jumpfere, vo Schlößern, Gold und Silber und allerhand dere Sache meh. Am Morge früe macht er se up der Wäg, und gli drufe bchuntem es chlis mutzigs Manndle, eme isige Chläidle, un frogt' ne was er do e dem Chratte häig.

Zur Nacht im Bett hat er nicht können schlafen; und wenn er auch noch einmal eingeschlummert ist, so hat‘s ihm von schönen Jungfrauen, von Schlössern, Gold und Silber und allerhand derer Sachen mehr geträumt. Am Morgen früh machte er sich auf den Weg, und gleich darauf begegnete ihm das kleine mürrische Männchen in einem eisgrauen Kleide und fragte ihn, was er da im Korbe trüge.

   
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Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Der Hans gitt em zur Antwort er heb Öpfel, a dene d' Chönigstochter se gsund äße sött. „No“, säit das Manndle, „es sölle söttige si und blibe.“ Aber am Hof händ se der Hans partu nit welle ine lo, denn es sige scho zwee do gsi und hebe gsäit se bringe Öpfel und do heb äine Fröschebäi und der ander Seüborst gha. 

Der Hans gab ihm zu Antwort, er habe Äpfel, an denen sich die Königstochter gesund essen solle. „Nun“, sagte das Männlein, „es sollen solche sein und bleiben.“ Aber am Hofe haben sie den Hans durchaus nicht einlassen wollen; denn es seien schon zwei da gewesen und haben gesagt, sie brächten Äpfel, und da habe einer Froschbeine und der andere Sauborsten gehabt. 

   


Der Hans het aber gar grüsele aghalte, er heb gwöß kene Fröschebäi, sondern von de schönste Öpfle, die im ganze Chönigreich wachse. Woner de so ordele gredt het, so dänke d' Thörhüeter de chönn nid lüge und lönde ine, und händ au rächt gha.Denn wo der Hans si Chratte vor em Chönig abdeckt, so sind goldgäle Öpfel füre cho. 

Der Hans hat aber gar sehr angehalten, er habe gewiss keine Froschbeinel, sondern von den schönsten Äpfeln, die im ganzen Königreich wüchsen. Wo er nun so ordentlich geredet hat, so dachten die Torhüter, der könne nicht lügen und ließen ihn ein und hatten auch recht gehabt. Denn wo der Hans seinen Korb vor dem König abdeckte, so sind goldgelbe Äpfel für sie drin. 

   


De Chönig het se gfreut und lot gli der Tochter dervo bringe, und wartet jetz e banger Erwartig bis menem der Bericht bringt, was se für Würkig tho hebe. Aber nid lange Zit vergot, so bringt em öpper Bricht: aber was meineder wer isch das gsi? d' Tochter selber isch es gsi. So bald se vo dene Öpfle ggäße gha het, isch e gsund us em Bett gsprunge. Wie der Chönig e Freud gha het, chame nid beschribe. 

Der König freute sich und ließ gleich der Tochter davon bringen und harrte jetzt in banger Erwartung, bis man ihm Bericht brächte, was sie für Wirkung getan hätten. Aber nicht lange Zeit verging, so brachte ihm jemand Bericht; aber wer meint ihr, wer ist es gewesen? Die Tochter selbst ist es gewesen! Sobald sie von den Äpfeln gegessen gehabt hat, ist sie gesund aus dem Bette gesprungen. Was der König für eine Freude gehabt hat, kann man nicht beschreiben. 

   


Aber jetz het er d' Tochter dem Hans nid welle zur Frau ge un säit er müeß em zerst none Wäidlig mache, de ufem drochne Land wäidliger geu as im Wasser. Der Hans nimmt de Betingig a und got häi und verzelts wies eme gangen seig.

Aber jetzt hat er die Tochter dem Hans nicht zur Frau geben wollen und sagte, er müsse ihm zuerst noch einen Nachen machen, der auf dem trockenen Land noch besser gehe als im Wasser. Der Hans nahm die Bedingung an und ging heim und erzählte, wie es ihm ergangen sei.

   
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Do schickt der Ätte der Uele is Holz um e söttige Wäidlig z' mache. Er hat flißig gewärret und derzue gpsiffe. Z' Mittag, wo d' Sunne am höchste gstande isch, chunt es chlis isigs Manndle und frogt was er do mach. Der Uele gitt em zur Antwort: „Chelle.“ Das isig Männdle säit: „ No es sölle si und blibe.“ Z' Obe meint der Uele er heb jetz e Wäidlig gmacht, aber woner het welle isitze, so sinds alles Chelle gsi. Der anner Tag got der Säme e Wald, aber s' isch em ganz gliche gange wie im Uele. 

Da schickte der Vater den Uli ins Holz, um einen solchen Nachen zu machen. Er hat fleißig gewerkelt und dazu gepfiffen. Zu Mittag, als die Sonne am höchsten gestanden ist, kam das kleine eisgraue Männlein und fragte, was er da mache. Der Uli gab ihm zur Antwort: „Kellen.“ Das eisgraue Männlein sagte: „Nun, es solle sein und bleiben.“ Zu Abend meinte der Uli, er habe jetzt einen Nachen gemacht; aber wo er sich hat wollen hineinsetzen, so sind's lauter Kellen gewesen. Am andern Tag ging der Samuel in den Wald; aber es ist ihm ganz gleich gegangen wie dem Ulrich.

   


Am dritte Tag got der dumm Hans. Er schafft rächt flißig, daß es im ganze Wald tönt vo sine chräftige Schläge, derzue singt er und pfift er rächt lustig.

Am dritten Tag ging der dumme Hans. Er schaffte recht fleißig, so dass der ganze Wald tönte von seinen kräftigen Schlägen, dazu sang und pfiff er recht lustig. 

   


Da chunt wieder das chli Manndle z' Mittag, wos am heißeste gsi isch, und frogt was er do mach. „E Wäidlig, de uf em drochne Land wäidliger got as uf em Wasser.“ Un wenn er dermit fertig seig, so chom er d' Chönigstochter zur Frau über. „No“, säit das Manndle, „es söll e so äine ge und blibe.“

Da kam wieder das kleine Männlein zu Mittag, wo es am heißesten gewesen ist, und fragte, was er da mache. „Einen Nachen, der auf dem trockenen Land besser geht als auf dem Wasser.“ Und wenn er damit fertig sei, so bekäme er die Königstochter zur Frau. „Nun“, sagte das Männlein, „es soll so einen geben und bleiben.“

   


Z' Obe, wo d' Sunne aber z' Gold gange isch, isch der Hans au fertig gsi mit sim Wäidlig und Gscher. Er sitzt i und ruederet der Residenz zue. Der Wäidlig isch aber so gschwind gange wie der Wind.

Zu Abend, wo die Sonne aber zu Gold gegangen ist, ist der Hans auch fertig gewesen mit seinem Nachen und allem Drum und Dran. Er saß hinein und ruderte der Residenz zu. Der Nachen ist aber so geschwind gegangen wie der Wind.

   
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Der Chönig hets von witen gseh, will aber im Hans si Tochter nonig ge und säit er müeß zerst no hundert Haase hüete vom Morge früeh bis z' Obe spot, und wenn em äine furt chömm, so chömm er d' Tochter nit über. 

Der König hat‘s von weitem gesehen, wollte aber dem Hans seine Tochter noch nicht geben und sagte, er müsse erst noch hundert Hasen hüten vom morgens frühe bis zum abends spät; und wenn ihm einer fortkäme, so bekäme er die Tochter nicht.

   

Der Hans isch e des z' friede gsi, und gli am andere Tag got er mit siner Heerd uf d' Wäid und paßt verwändt uf daß em keine dervo laufe. Nid mänge Stund isch vergange, so chunt e Magd vom Schloß und säit zum Hans er söll ere gschwind e Haas ge, so hebe Wisite über cho.

Der Hans ist indes zufrieden gewesen, und gleich am andern Tage ging er mit seiner Herde auf die Weide und passte unverwandt auf, dass ihm keiner davonläuft. Nicht manche Stunde ist vergangen, so kam eine Magd vom Schloss und sagte zum Hans, er solle ihr geschwind einen Hasen geben, da sei Besuch gekommen.

   


Der Hans hett aber woll gemerkt wo das use will und säit er gäb e keine, der Chönig chön denn morn siner Wisite mit Haasepfäffer ufwarte. D'Magd het aber nid no glo und am Änd fot so no a resniere.

Der Hans hat aber wohl gemerkt, wo das hinaus wollte, und sagte, er gäbe keinen her; der König könne dann morgen seinem Besuch mit Hasenpfeffer aufwarten. Die Magd hat aber nicht nachgelassen und am Ende fing sie noch an zu schimpfen. 

   


Do säit der Hans wenn d' Chönigstochter selber chömm, so woll er ene Haas ge. Dat het d' Magd im Schloß gsäit, und d' Tochter isch selber gange. 

Da sagte der Hans, wenn die Königstochter selber komme, so wolle er einen Hasen geben. Das hat die Magd im Schloss gesagt; und die Tochter ist selbst gegangen.


     
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Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Underdesse isch aber zum Hans das chli Manndle wieder cho und frogt der Hans was er do thüej. He, do müeß er hundert Haase hüete, daß em kaine dervo lauf, und denn dörf er d' Chönigstochter hürothe und wäre Chönig. „Guet“, säit das Manndle, „do hesch es Pfifle, und wenn der äine furtlauft, so pfif nume, denn chunt er wieder ume.“

Unterdessen ist aber zum Hans wieder das kleine Männlein gekommen und fragte den Hans, was er da tue. He, da müsse er hundert Hasen hüten, dass ihm keiner davonlaufe; und dann dürfe er die Königstochter heiraten und wäre König. „Gut“, sagte das Männlein; „da hast ein Pfeifchen, und wenn dir einer fortläuft, so pfeif nur, dann kommt er wieder herum“

   


Wo do d' Tochter cho isch, so gitt ere der Hans e Haas is Fürtüchle. Aber wo se öppe hundert Schritt wit gsi isch, so pfift der Hans, und de Haas springt ere us em Schäubele use und, was gisch was hesch, wieder zu der Heerd.

Wie die Tochter gekommen ist, so gab ihr der Hans einen Hasen in die Schürze. Aber wie sie etwa hundert Schritte weit gewesen ist, so pfiff der Hans, und der Hase sprang ihr aus der Schürze und husch husch, wieder zu der Herde.

   


Wo's Obe gsi isch, so pfift de Haasehirt no emol und luegt ob alle do sige und treibt se do zum Schloß. Der Chönig het se verwunderet wie au der Hans im Stand gsi seig hundert Haase z' hüete, daß em käine dervo glofe isch.

Wo‘s Abend gewesen ist, pfiff der Hasenhirt noch einmal und schaute, ob alle da seien, und trieb sie dann zum Schloss. Der König hat sich verwundert, wie nur der Hans imstande gewesen sei, hundert Hasen zu hüten, ohne dass ihm einer davongelaufen sei.

   


Er will em aber d' Tochter äine weg nonig ge, und säit er müß em no ne Fädere us d' Vogelgrife Stehl bringe. Der Hans macht se grad uf der Wäg und marschiert rächt handle vorwärts. Z' Obe chunt er zu neme Schloß, do frogt er umenes Nachtlager, denn sälbesmol het me no käine Wirthshüser gha.

Er wollte ihm aber die Tochter alleweg noch nicht geben und sagte, er müsse ihm erst noch eine Feder aus des Vogel Greif Schwanz bringen. Der Hans machte sich direkt auf den Weg und marschierte recht rüstig vorwärts. Zu Abend kam er zu einem Schloss; da fragte er um ein Nachtlager, denn damals hat es noch keine Wirtshäuser gegeben.

   
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Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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Das säit em der Herr vom Schloß mit vele Freude zue und frogt ne woner he well. Der Hans git druf zur Antwort: „Zum Vogelgrif.“ „So, zum Vogelgrif, me säit ame er wuß alles, und i hane Schlössel zue nere isige Gäldchiste verlore, ehr chöntet doch so guet si und ne froge woner seig.' 'Jo frile,' säit der Hans, 'das wili scho thue.'

Da sagte ihm der Herr vom Schloss mit viel Freude zu und fragte ihn, wohin er wolle. Der Hans gab darauf zur Antwort: „Zum Vogel Greif.“ „So, zum Vogel Greif? Man sagt immer, der wisse alles, und ich habe den Schlüssel zu einer eisernen Geldkiste verloren, Ihr könntet doch so gut sein und ihn fragen, wo er sei.“ „Ja freilich“, sagte der Hans, „das will ich schon tun.“

   


Am Morgen früe isch er do witer gange und chunt unterwägs zue mene andere Schloß, i dem er wieder übernacht blibt. Wo d' Lüt drus verno händ daß er zum Vogelgrif well, so säge se es sig im Hus ne Tochter chrank, und se hebe scho alle Mittel brucht, aber es well kais aschlo, er söll doch so guet si und der Vogelgrif froge was die Tochter wieder chön gsund mache. Der Hans säit das weller gärn thue und goht witer.

Am Morgen früh ist er dann weiter gegengen und kam unterwegs zu einem anderen Schloss, in dem er wieder über Nacht blieb. Wie die Leute draußen verommen hatten, dass er zum Vogel Greif wolle, so sagten sie, es sei im Hause eine Tochter krank, und sie hätten schon alle Mittel gebraucht; aber es wolle keines anschlagen; er solle doch so gut sein und den Vogel Greif fragen, was die Tochter wieder könnte gesund machen. Der Hans sagte, das wolle er gerne tun, und ging weiter.

   


Do chunt er zue emne Wasser, und anstatt eme Feer isch e große große Ma do gsi, de all Lüt het müesse übere träge. De Ma het der Hans gfrogt wo si Räis ane geu. „Zum Vogelgrif'.“, säit der Hans. „No, wenn er zue nme chömet“, säit do de Ma, „sö froget ne an worum i all Lüt müeß über das Wasser träge.“ Do säit der Hans: „Jo, min Gott jo, das wili scho thue.“ De Ma het ne do uf d' Achsle gno und übere träit.

Da kam er zu einem Wasser, und anstatt einer Fähre ist da ein großer, großer Mann dort gewesen, der alle Leute hat hinübertragen müssen. Der Mann fragte den Hans, wo seine Reise hinginge. „Zum Vogel Greif“, sagte der Hans. „Nun, wenn Ihr zu ihm kommt“, sagte da der Mann, „so fragt ihn an, warum ich alle Leute über das Wasser tragen müsse.“ Da sagte der Hans: „Ja, mei Gott, ja, das will ich schon tun.Der Mann hat ihn dann auf die Achsel genommen und hinüber getragen.

   


Ändle chunt do der Hans zum Hus vom Vogelgrif, aber do isch nume d' Frau dehäime gsi und der Vogelgrif sälber nid. Do frogt ne d' Frau was er well. Do het ere der Hans alles verzelt, daß ere Fädere sölt ha us s' Vogelgrife Stehl.

Endlich kam dann der Hans zum Vogel Greif, aber da ist nur mehr die Frau daheim gewesen und der Vogel Greif selber nicht. Da fragte ihn die Frau, was er wolle. Da hat ihr der Hans erzählt, dass er eine Feder holen solle aus dem Schwanz des Vogel Greif.

   
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Denn hebe se emene Schloß der Schlüssel zue nere Gäldchiste verlore, und er sött der Vogelgrif froge wo der Schlüssel seig. Denn seig eme andere Schloß e Tochter chrank, und er söt wüße was die Tochter chönt gsund mache; denn seig nig wid vo do es Wasser und e Ma derbi, de d' Lüt müeß übere träge, und er möcht au gern wüsse worum de Ma all Lüt müeß übere träge.

Dann haben sie in einem Schloss den Schlüssel zu einer Geldkiste verloren, und er solle den Vogel Greif fragen, wo der Schlüssel sei. Dann sei in einem andern Schloss die Tochter krank und er sollte wissen, was die Tochter könnte gesund machen; dann sei nicht weit von da ein Wasser und ein Mann dabei, der die Leute hinübertragen müsste, und er möchte auch gern wissen, warum dieser Mann alle Leute müsste hinübertragen.


   


Do säit die Frau: „Ja lueget, mi guete Fründ, s' cha käi Christ mit em Vogelgrif rede, er frißt se all; wenn er aber wänd, so chön neder under sis Bett undere ligge, und z' Nacht, wenn er rächt fest schloft, so chönneder denn use länge und em e Fädere usem Stehl riße; und wäge dene Sache, die ner wüße söttet, will i ne sälber froge.

Da sagte die Frau: „Ja schaut, mein guter Freund, es kann kein Christ mit dem Vogel Greif reden, er frisst sie alle; wenn Ihr aber wollt, so könnt Ihr nieder unter sein Bett drunter legen, und zur Nacht, wenn er recht fest schläft, so könnt Ihr dann herauslangen und ihm eine Feder aus dem Schwanz reißen; und wegen dene Sachen, die Ihr wissen solltet, will ich ihn selber fragen.“


   


Der Hans isch e das alles z' friede gsi und lit unders Bett undere. Z' Obe chunt der Vogelgrif häi, und wiener i d' Stube chunt, so säit er 'Frau, i schmöke ne Christ.' 'Jo,' säit do d' Frau, 's' isch hüt äine do gsi, aber er isch wieder furt;' und mit dem het der Vogelgrif nüt me gsäit.

Der Hans ist das alles zufrieden gewesen und legte sich unters Bett drunter. Zu Abend kam der Vogel Greif heim und wie er in die Stube kam, so sagte er: „Frau, ich schmecke eonen Christ.“ „Ja“, sagte da die Frau, „'s ist heut' einer da gewesen, aber er ist wieder fort.“, und damit hat der Vogel Greif nichts mehr gesagt.

   


Z' mitzt e der Nacht, wo der Vogelgrif rächt geschnarchlet het, so längt der Hans ufe und rißt em e Fädere usem Stehl. Do isch der Vogelgrif plötzle ufgjuckt und säit: „Frau, i schmöcke ne Christ, und s' isch mer s' heb me öpper am Stehl zehrt.“

Zur Mitte der Nacht, wo der Vogel Greif recht geschnarcht hat, langte Hans hinauf und riss ihm eine Feder aus dem Schwanz. Da ist der Vogel Greif plötzlich aufgesprungen und sagte: „Frau, ich schmecke einen Christ, und es ist mir, als habe mich jemand am Schwanz gezerrt.“

   
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De säit d' Frau: „de hesch gwüß traumet, und i ho der jo hüt scho gsäit, s' isch e Christ do gsi, aber isch wieder furt. Do het mer allerhand Sache verzellt. Si hebe ime Schloß der Schlüssel zue nere Gäldchiste verlore und chönnene numme finde.“ „O di Nare“, säit der Vogelgrif, „de Schlüssel lit im Holzhus hinder der Thör undere Holzbig.“

Da sagte die Frau: Du hast gewiss geträumt, und ich hab dir ja heute schon gesagt, s‘ist ein Christ da gewesen, aber ist wieder fort. Der hat mir allerhand Sachen erzählt. Sie haben in einem Schloss den Schlüssel zu einer Geldkiste verloren und können ihn nicht mehr finden.“ „Oh, die Narren“, sagte der Vogel Greif, „der Schlüssel liegt im Holzhaus hinter der Tür unter einem Holzstoß.

   


Und denn het er au gsäit imene Schloß seig e Tochter chrank und se wüße kais Mittel für se gsund z' mache.“ „'O di Nare,' säit der Vogelgrif“, under der Chällerstäge het e Chrot es Näscht gmacht von ere Hoore, und wenn se die Hoor wieder het, so wers se gsund.'

Und dann hat er auch gesagt, in einem Schloss sei eine Tochter krank, und sie wüssten kein Mittel, um sie gesund zu machen.“ „Oh, die Narren“, sagte der Vogel Greif, „unter der Kellerstiege hat eine Kröte ein Nest gemacht von ihren Haaren, und wenn sie die Haare wieder hat, so wird sie gesund.“

   


Und denn het er au no gsäit s' sig amene Ort es Wasser un e Ma derbi, der müeß all Lüt drüber träge.“ „O de Nar“, säit de Vogelgrif, „täter nome emol äine z' mitzt dri stelle, er müeßt denn käine me übere träge.“

Und dann hat er auch noch gesagt, es sei an einem Ort ein Wasser und ein Mann dabei, der müsse alle Leute darüber tragen.“ „Oh, der Narr“, sagte der Vogel Greif, „täte er nur einmal einen mitten hineinstellen, er müsste dann keinen mehr hinüber tragen.“

   


Am Morge frue isch der Vogelgrif uf gstande und furt gange. Do chunt der Hans underem Bett füre und het e schöne Fädere gha; au het er ghört was der Vogelgrif gsäit het wäge dem Schlüssel und der Tochter und dem Ma. D' Frau vom Vogelgrif het em do alles no nemol verzellt, daß er nüt vergäße, und denn isch er wieder häi zue gange.

Am Morgen früh ist der Vogel Greif aufgestanden und fort gegangen. Da kam der Hans unter dem Bett vor und hat eine schöne Feder gehabt; auch hatte er gehört, was der Vogel Greif gesagt hatte wegen dem Schlüssel und der Tochter und dem Manne. Die Frau vom Vogel Greif hat ihm das alles noch einmal erzählt, dass er nichts vergesse, und dann ist er wieder heimzu gegangen.


   
Fredeswind Märchenschatztruhe

Inhalt Fredeswinds Märchenschatztruhe


"Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!"

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900)
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